Der Pfarrhof Gempfing und die Präbende
erbaut im Jahre 1709

Der Pfarrhof wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtet. Der Neubau steht sicherlich im Zusammenhang mit den Verwüstungen des Spanischen Erbfolgekrieges. Über das Ausmaß der Zerstörungen schreibt der damalige Hofmarksrichter Paul Widtmann: "Bei der Hofmarch Gempfing seien weder Häuser noch Stadel ja sogar kein Schweinstall noch Bakofen übrig verblieben, sondern leider Gott erbarms durch die in das Land gerathene ... Feindsvölker in die Aschen gelegt worden."
In einem Vertrag zwischen dem Kloster Sankt Walburg und dem Ortsgeistlichen Veit Christof Schilling wurden 1709 festgelegt, dass der Pfarrer für den laufenden Unterhalt aufkommen müsse. Außerdem habe er jährlich 10 Gulden, den sog. Bauschilling, an den Kirchenpfleger zu zahlen. Damit wurden kleinere Baumaßnahmen an der Kirche oder am Pfarrhof, wie z.B. die Reparierung der Öfen oder Fenster, beglichen. Sollten größere Baufälligkeiten am Gotteshaus oder am Pfarrhof entstehen, die nicht mehr mit den Rücklagen gedeckt werden könnten, wurden die Angehörigen der Pfarrei zur Leistung verpflichtet. Als Bemessungsgrundlage diente der Zehnt.
Bei der letzten Renovierung (1981) wurde der ursprüngliche Bauzustand mit Zwerchgiebelaufsatz wiederhergestellt.
Beschreibung aus der Broschüre "Bauen am Unteren Lech" von Erich Hofgärtner:
Pfarrhöfe, Wirtshäuser und Mühlen nehmen in allen hausgeschichtlichen Betrachtungen eine besondere Rolle ein, weil sie schon sehr früh die Eingeschossigkeit verlassen hatten.
Schon durch seine Lage auf dem Kirchberg präsentiert sich der Gempfinger Pfarrhof sehr herrschaftlich. Er gehört zu den wenigen Wohnhäusern unserer Gegend, die mit einem Vollwalmdach nach oben abschließen. Diese Dachkonstruktion ist von den alten Stadelbauten bekannt und war dort funktional bedingt. In unserem Fall waren es gewiß repräsentative Argumente, die die Wahl der Dachform bestimmten. Auch beim Präbendehaus, das unterhalb errichtet wurde, war der Vollwalm sicherlich in Abstimmung zum Pfarrhaus bewusst gewählt.
Das Gebäude wird an der Schmalseite durch drei und an der Längsseite durch fünf Fensterachsen belichtet. Die Haustüre wird von einem Türstock aus Juramarmor eingefasst, darüber ist ein Belichtungsfenster für den Flur angeordnet. Ein Bild des hl. Franz Xaver wurde bei der letzten Renovierung des Gebäudes in den Jahren 1981/82 freigelegt. Auch der Volutengiebel wurde damals wieder aufgesetzt. Der Dachanschluss wurde mit einer kräftigen Gesimsprofilierung gestaltet. Im wesentlichen entspricht die Grundriss-Einteilung der Raumplanung der Bauernhäuser: Der Gang teilt das Haus in zwei gleich große Hälften. Die Küche war ursprünglich in dem nordöstlich gelegenen Raum eingerichtet und mit einem Gewölbe überspannt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde sie auf die gegenüberliegende Seite des Ganges verlegt. Am Ende des Flurs erschließt eine gewendelte Treppe das Obergeschoß, das die Grundriss-Einteilung des Erdgeschosses aufweist. Im nordwestlichen Bereich ist das Haus durch zwei tonnengewölbte Räume unterkellert.
Nach den Verwüstungen des Spanischen Erbfolgekrieges wurde der Pfarrhof zu Beginn des 18. Jahrhunderts neu errichtet. Im Jahre 1709 war das Gebäude wieder soweit fertiggestellt, dass an den Fenstern des Erdgeschosses nur mehr eiserne Fenstergitter angebracht werden mussten. In einem Vertrag zwischen dem Kloster Sankt Walburg und dem Ortsgeistlichen Veit Christof Schilling wurden die Baulasten folgendermaßen festgelegt: Alles was der Pfarrer bei der Errichtung des Neubaus für Handwerksleute, Materialien, Fuhren, Bier und Brot bei Dienstfuhren ausgelegt hatte, sollte ihm vom Kirchenpfleger, dem Heiling, ersetzt werden. Der Pfarrer wurde verpflichtet, den laufenden Unterhalt aus eigenen Mitteln zu bezahlen. Außerdem musste er jährlich 10 fl., den sog. Bauschilling, an den Kirchenpfleger abführen. Zu diesen Leistungen wurde er verpflichtet, weil er die Pfründ- und Frühmesseinkünfte erhalte. Mit dem Bauschilling wurden kleinere Baumaßnahmen an der Kirche oder am Pfarrhof, wie z.B. die Reparierung der Öfen oder Fenster, bezahlt. Sollten größere Baufälligkeiten am Gotteshaus oder am Pfarrhof entstehen, die nicht mehr aus den Rücklagen bezahlt werden könnten, wären nach Bistumsobservanz alle Zehntpflichtigen nach Proportion ihres Zehents zur Leistung verpflichtet.
Zum Hofverband gehören noch der Stallstadel und eine Holzlege, an die ein gemauertes Waschhaus angebaut ist. So ergibt sich ein Dreiseithof, der sich nach Westen öffnet.
Die Präbende
In Gempfing gab es seit dem späten Mittelalter neben dem Ortspfarrer noch zwei weitere Geistliche, den Präbendar und den Frühmesser. Die Frühmesse, die der Rainer Bürger Nikolaus Haydn im Jahre 1397 gestiftet hatte, wurde noch im 16. Jahrhundert mit der Pfarrstelle vereinigt. Auch die Präbendestiftung, die bereits seit 1282 urkundlich zu belegen ist, wurde viele Jahre vom Pfarrer mitorganisiert und erst wieder im Jahre 1737 mit einem eigenen Geistlichen besetzt. Damals wurde auch das Präbendehaus als zweigeschossiger Walmdachbau nach Entwürfen von Johann Benedikt Ettl errichtet. Es ist unten im Dorf an der Wengener Straße, steht unter Denkmalschutz und wurde von der Stiftung in den 1990-er Jahren veräußert.
Die wichtigste wirtschaftliche Grundlage der Messpfründe bildeten schon immer die Zehntabgaben der Bauern von Überacker. Im Jahre 1547 schrieb der Präbendar Leonhard Gesselmair diese Einnahmen in einem Salbuch nieder, das erhalten ist. Gesselmair ist am 24. August 1580 verstorben, auf dem erhaltenen Epitaph (Solnhofener Stein) sieht man den Geistlichen, wie er vor einem Kruzifix kniet. Darüber ist sein Wappen dargestellt.